Was genau sind eigentlich Götter? Wie entstehen sie und was waren sie davor? Religiöse Schriften können bei dieser Überlegung natürlich weiterhelfen. Reines Nachdenken über dieses Thema kann dagegen zu etwas ungewöhnlicheren Schlüssen führen, die ebenfalls ihren Beitrag Leisten, sich den im Grunde kaum bekannten esoterischen Wahrheiten zu nähern.
Die astrale Sphäre
In der Antike – und vermutlich sogar schon früher – begann man die Welt in zwei Sphären aufzuteilen. Es gab die materielle Ebene, in der unter anderem die Menschen lebten, und es gab die astrale Sphäre, in der alle möglichen geisterhaften Entitäten, Dämonen und Götter zuhause waren. Diese Aufteilung ist auch heute noch weit verbreitet und liefert ein brauchbares Modell, um sich der feinstofflichen Realität anzunähern.
Schon immer wurde die greifbare Realität des Menschen als etwas betrachtet, das von einer spirituellen Wirklichkeit beeinflusst wurde. In alten religiösen Schriften, beispielsweise in der babylonischen Magan-Schrift, sah man unsere Welt sogar als einen Sonderfall, umgeben von einem für Menschen kaum begreifbaren, vielschichtigen Kosmos. So entstand aus Sicht der Babylonier unsere Daseinssphäre nur durch das vergossene Blut einer Gottheit namens Kingu, die in einer Auseinandersetzung zwischen alten und älteren Göttern fiel. Kingu zählte man zu den sogenannten Alten Götter oder auch “Großen Alten”. Auch im antiken Griechenland oder im alten Rom gehörten Sphären, in der alle möglichen Wesenheiten und Götter lebten, zur allgemeinen Glaubensrealität. In diesen Daseinsebenen gab es natürlich auch Dämonen. Diese unterlagen theoretisch einer Entwicklung. Sie konnten stärker werden und an Macht gewinnen.
Der Weg zur Gottheit
Wann ist ein Gott ein Gott? Diese Frage ist eigentlich recht einfach zu beantworten. An einen Gott glaubt man. Der Glaube der Menschen macht ihn oder sie stärker und mächtiger. Eine Wesenheit wächst durch Aufmerksamkeit in Form von Liebe, Glaube, Fürbitten und Gebete.
Goethe hatte das in seinem Gedicht “Prometheus” sehr gut erkannt und sicherlich viele weiter gehende Gedanken ausgelöst. In dem Gedicht sah er Götter als Wesen, die sich von dem Glauben der Menschen nährten und darben würden, wären nicht Kinder und Bettler hoffnungsvolle Toren, die ihnen diesen begehrten Glauben zuführten. Man könnte das Wort “Glaube” auch durch Aufmerksamkeit oder Energie ersetzen.
Aus dieser Sicht könnte sich ein Dämon oder sogar eine schwächere Entität zu einer Gottheit weiterentwickeln. Sie müsste “nur” durch Glaube gestärkt werden, also durch Energie, Aufmerksamkeit oder überhaupt der Kenntnisnahme ihrer Existenz. Das war zur Zeit des Polytheismus sicherlich einfacher als in unserer Zeit, in der es kirchliche Institutionen gibt, die den Eingottglauben stärken, und in der Esoteriker eher in Kategorien wie “Energie” oder “Wachstum” denken, aber sich nur in Ausnahmefällen mit Dämonenbeschwörung oder der Anbetung einer polytheistischen Gottheit beschäftigen. Und vermutlich ist das auch sinnvoller, effektiver und zeitgemäßer. Dennoch kann man sich über die Beschäftigung mit alten (angenommenen) Vorgängen interessante Gedankenmodelle bauen, die das persönliche esoterische Weltbild bereichern.
Wie aus einem Dämon ein Gott werden könnte
Die eben beschriebenen Überlegungen könnte man an einem fiktiven Beispiel praktisch veranschaulichen. Sagen wir, vor einigen tausend Jahren gab es einen größeren und fortschrittlichen Stamm. Dieser besaß einen Schatz an religiösen Riten, die aus heutiger Sicht wohl eher martialisch sind. Der Stamm ging davon aus, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt jemand Besonderes geboren werden sollte, ein religiöser Führer und Fürsprecher vor den Göttern. Tatsächlich zeigte es sich, dass ein Jüngling, der zu dem vorhergesehen Zeitpunkt das Licht der Welt erblickte, ganz besondere Fähigkeiten entwickelte, als Krieger wie auch als Priester.
Eines Tages beschloss man, diesen Jungen der göttlichen Sphäre zuzuführen, mithilfe eines mehrtägigen Rituals, das wohl recht schmerzhaft gewesen sein muss und mit dem körperlichen Tod endete.
Der Geist blieb trotz des eintretenden körperlichen Todes am Leben. Und er blieb auch in seiner alten Umgebung, nahm das aufwendige Grabmal wahr, das zu seinen Ehren erbaut wurde und die Opfer, die ihm gemacht wurden. Er labte sich an den Gerüchen der Speiseopfer und des Weihrauchs. Doch immer wieder überkam ihn auch ein heftiger Zorn, der sich gegen seine ehemaligen Peiniger richtete. Der Geist, oder die Entität, war im Grunde ein Dämon, der immer mächtiger wurde.
All die Gebete und Opfer verliehen dem Dämon immer mehr Macht. Trotz seines Zorns ließ er sich immer wieder mal dazu hinreißen, das eine oder andere Gebet zu erhören, was sich bald über die Grenzen seines Stammes herumsprach und so zu mehr Opfern und Gebeten führte. So allmählich wurde der Dämon zu einer Gottheit, die mal zornig, mal gnädig war, und die weiter an Macht gewinnen sollte. Aus dem einstigen Jüngling wurde ein Geist, dann ein Dämon und mit der Zeit allmählich eine Gottheit.
Bei diesem Beitrag handelt es sich um eine Annahme. Da der Mensch astrale Zusammenhänge und magische Gesetze momentan nicht wirklich feststellen und beweisen kann, bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich naheliegender gedanklicher Schöpfungen zu bedienen.