Mythologie und Glaube sahen schon immer die Existenz einer feinstofflichen Welt, die sich jenseits unserer alltäglichen Vorstellungskraft befindet.
Tor nach Utopia
Manchmal war sie Produkt der poetischen Fantasie, dann wieder ein wesentlicher Bestandteil praktizierter Religion. Der heutige Mensch kann sich über die Idee einer Anderswelt jedenfalls freuen. Sie regt die Fantasie an bietet die Option, eines Tages etwas in der Art sogar bereisen zu dürfen.
Ihre Existenz ist mysteriös und umnebelt. Mal wird sie spirituell beschrieben, wenn man an die keltische Anderswelt denkt, dann wieder fantasievoll und mit Wahrnehmungen spielend, wenn man an Alice im Wunderland denkt.
Vom Schlaraffenland über den Olymp zu Hesses Morgenlandfahrt. Astral-alternative Dimensionen zeigen sich in vielen Gewändern. Wahrscheinlich kann man deshalb auch nicht von einer einzigen feinstofflichen Welt sprechen, sondern wohl eher von einem multidimensionalen Paralleluniversum, gestaltet vom Menschen, seiner Fantasie und seinem Glauben.
Phantasien
Michael Ende hat eine unendliche Welt geschaffen. Egal wie weit man reist, es wartet eine grenzenlose Vielfalt zauberhafter Wesen und Landschaften. Und es hört nicht auf, ebenso wenig wie das individuelle Leben, über das eine Art natürlicher Schutz liegt und das sich bunt und facettenreich entfaltet.
Alices Wunderland
Eine Dimension für Kinder und Erwachsene zugleich. Man könnte das Ganze für einen Traum halten, in dem die unmöglichsten Dinge geschehen, vom Königreich aus Karten bis zum rauchenden Käfer. Dieses Wunderland wird durch kindliche Unvoreingenommenheit betreten und fordert die Wahrnehmung heraus.
Schlaraffenland
Träume und Fantasie greifen von Natur aus nach Wünschen und Überfluss. Das Schlaraffenland ist ein Synonym für materielle Üppigkeit. Man bekommt jeden Wunsch von den Lippen abgelesen und muss sich für keinen davon auch nur ein wenig anstrengen. Es mag sein, dass vor allem von Nahrungsüberfluss die Rede ist, doch die Tauben, die einem in den Mund fliegen, sind eine Metapher für ein unbeschwertes Leben in Reichtum und Glückseligkeit.
Anderswelt des Nordens
Die Kelten haben an sie geglaubt und die Wikinger. Es ist eine Welt, die nordische Schamanen in besonderen Zuständen betreten und in der astrale Wesen leben, wie sie in der menschlichen Realität nicht anzutreffen sind. Elfen, Tiergötter, Verstorbene oder beispielsweise Naturgeister nennen diese feinstoffliche Ewigkeit ihr Zuhause. Sie birgt Mysterien, die man erkunden kann, und ist sehr wahrscheinlich bewohnt von archetypischen Erscheinungen, die einem fremdartig und gleichzeitig wohlbekannt sind.
Morgenlandfahrt
Die Literatur greift dieses Thema immer wieder auf. Die erste bekannte Morgenlandfahrt dürfte die babylonische Sage von Gilgamesch gewesen sein, der sich auf die Suche nach einem Kraut machte, das ihm ewiges Leben bescheren sollte. In solchen Reisen, zu denen auch Homers Odyssee zählt, wird eine Grenze zwischen Fiktion und Wirklichkeit überschritten. Die Reise findet räumlich wie auch geistig statt. Hesses Morgenlandfahrt beschreibt, dass man körperlich vielleicht nur bis Italien gekommen sein mag, aber im Kopf immer noch auf Utopia zusteuert. Umberto Ecos Baudolino handelt ebenfalls von einer solchen Fahrt, die in der historischen Realität beginnt und in einer von Fabelwesen bewohnten Traumwelt aufhört.
Jenseits
Die Vorstellung von einer Welt nach dem Tode wurde vor allem von der Religion geprägt. Es wartet eine wahrscheinlich perfekte Welt, ein Paradies, wo es kein Leid und kein Mangel mehr gibt. Man trifft jene wieder, die man schon lange vermisst hat. Es werden Antworten gefunden und man blickt einem unendlichen Leben voller Freude entgegen. Einer ewigen Reise durch ein unglaubliches Universum, während der man sich stetig weiterentwickelt.
Das sind alles nur Beispiele für Welten, die teilweise dem Reich der Imagination zugeschrieben werden, die aber auf einer anderen Ebene Realität sind. Ihr Realitätsanspruch mag unterschiedlich stark sein. Mal ist es nur ein literarisch-philosophischer, dann wieder, wie beim Jenseits, Voraussetzung für die Unsterblichkeit der Seele. Möglicherweise handelt es sich ja bei den genannten und nicht genannten Beispielen auch um eine einzige riesige Anderswelt, die man eingeschränkt schon im Hier und Jetzt beschnuppern kann. Doch irgendwann, wenn wir diese Welt verlassen, vielleicht einzeln, vielleicht kollektiv, könnte sie der Lebensraum sein, den man braucht und der im richtigen Augenblick für einen da ist.
